Geschichte

Mariensäule oder Pestsäule

Eine der verheerendsten Pestepidemien war um 1679/80. Noch während die Pest wütete, ließ Stadtrichter Wolfgang Kaltendaler diese Mariensäule herstellen. Die lateinische Inschrift bedeutet: "Ende Juli wurde ich gesetzt unter dem Stadtrichter Wolfgang Kaltendaler". Die hervorgehobenen großen Buchstaben geben, aneinandergereiht wie eine römische Zahl, das Chronogramm MDLLLVVVVVV (1680).

Seit dem Dreißigjährigen Krieg war es modern geworden, der Mutter Gottes ein Denkmal zu errichten. Begonnen hat dieser Brauch, am Hauptplatz eine Votivsäule zu setzen, 1638 in München. Diese fand bald in Wien, Prag, Freising und Eichstätt Nachfolger. Die Pest war, so die damalige Auslegung, eine Geißel Gottes. Diese Strafe mußte doch eine Ursache haben! Man glaubte zwar die Lutherische Reformation schon besiegt, aber es könnten doch noch Unbelehrbare übriggeblieben sein, durch die es zu dieser Strafe Gottes kam. Daher ist diese Säule als Fürbitte Mariens bei der Dreifaltigkeit zu verstehen. Maria im Sternenkranz, sie hat doch den Teufel (Drachen), die Reformation, niedergetreten. Die Dreifaltigkeit möge uns erhören!

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Der Retzer Löwe überbringt für die Retzer Bürgerschaft der hl. Maria die Fürbitte (SUPPLICATIO): Die Pest möge endlich aufhören

Daher auch an der Ostseite des kleinen Sockels der Retzer Löwe mit einer Schriftrolle mit der Inschrift "SUPPLICATIO", das heißt Fürbitte. Der Retzer Löwe repräsentiert die Retter Bürgerschaft, die damals durch die wütende Pest schon stark dezimiert war. An einem Stein ist noch eine alte, nicht deutbare Inschrift erkennbar. Das zeigt, daß für die Errichtung der Mariensäule Eile geboten war, und man aus alten Monumenten Steine wiederverwendet hatte.
 

Literatur:

Rudolf Resch; Ketzer Heimatbuch, Band II, 1951
Katalog: Um Glauben und Reich - Kurfürst Maximilian I, München 1980

 

 

 

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